• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Home Info Kinderarmut2 News Frauenunion will höhere Hartz IV Leistungen für Kinder - wir antworten
Frauenunion will höhere Hartz IV Leistungen für Kinder - wir antworten PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 15. August 2008 um 21:26 Uhr

Frauenunion HessenFrauenunion Hessen fordert in einer Pressemitteilung höhere Hartz IV-Leistungen für Kinder - wir antworten skeptisch.


Sehr geehrte Damen des Vorstands der Frauenunion Hessen,

wir begrüßen es, dass Sie sich für bundesweite Regelungen einsetzen, mit denen es möglich ist, Lernmittel für Kinder aus Armutsfamilien wieder zu finanzieren sowie bundesweit das Mittagessen zu bezuschussen, wenn Kinder aus solchen Familien in ganztägig betriebene Schulen oder Kindertagesstätten gehen.
Allerdings hat beides mit der Erhöhung von Regelleistungen bzw. der unzureichenden Ausstattung des Regelsatzes für Kinder nichts zu tun, wie Sie in einer Pressemitteilung auf Ihrer Website fälschlicherweise darstellen. Zuschüsse zum Mittagessen waren nie Teil des Regelsatzes, ebenso nicht die Übernahme von Kosten für Lernmittel. Es handelt sich um einmalige Beihilfen, die erst wieder eingeführt werden müssten (Lernmittel), bzw. (bis jetzt) um eine freiwillige Sozialleistung (Mittagessen) ohne gesetzlichen Anspruch.

Da Sie sich für die Bildungschancen von Kindern aus Armutsfamilien einsetzen, möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass die CDU ebenso wie die SPD mit Einführung von Hartz IV die Regelsätze von Kindern ab dem Schulalter deutlich gesenkt hat. Mit Einführung von Hartz IV wurde Schulkindern der Wachstumsbedarf aberkannt:
Bis zu 13-Jährige bekommen seither nur noch so viel wie Säuglinge, einen Gesamt-Regelsatz von 211 EUR.
Dies obwohl 7 bis 13-Jährige einen fast doppelt so hohen Ernährungsbedarf (2.045 kcal/Tag) haben wie Kinder zwischen 1 bis 6 Jahren (durchschnittlich 1.250 kcal). Sie müssen sich eben mehr bewegen, sind größer und wachsen.
Dieser Tatsache wurde im Bundessozialhilfegesetz bis zu dessen Ablösung durch die Hartz IV-Gesetze noch dadurch Rechnung getragen, dass der Regelsatz von Kindern von 7 bis 13 Jahren 20% höher war als der von Vorschulkindern. Der Wachstumsbedarf von Schulkindern wurde damit grundsätzlich anerkannt.
Wenn Sie sich wirklich für Kinder aus Hartz IV-Familien einsetzen wollen, sollten Sie nicht weiterhin übersehen, dass ihnen immer noch der Wachstumsbedarf aberkannt würde, auch wenn Kosten für Mittagessen und Lernmittel irgendwann einmal erstattet würden.
Sie drängen zu Recht auf Taten. Unserer Meinung nach muss diese Senkung der Regelsätze für Schulkinder, mit denen ihnen auch in erheblichem Maße Mittel für Essen und Trinken entzogen wurden, sofort rückgängig gemacht werden.
Wenn man das nicht fordert, kann man schwerlich den Anspruch für sich erheben, Kinder aus benachteiligten Familien fördern zu wollen.
Im Gegenteil: der Eindruck muss entstehen, dass einzelne Linderungen verlangt werden, damit die (viel umfangreichere) Kürzung der Kinderregelsätze ab dem Schulalter aufrechterhalten werden kann.
Wir möchten Sie also auf unsere Bündnisplattform "Hartz IV - vorsätzliche Kürzungen bei Schulkindern!" aufmerksam machen. Diese haben verschiedene Verbände der Erwerbslosennetzwerke initiiert und sie wird mittlerweile durch sehr viele Organisationen unterstützt, um an dem Misstand der Kinderarmut in einem zentralen Punkt auf schnellstem Wege etwas zu ändern.

Mit der Bündnisplattform wollen wir erreichen, dass der Wachstumsbedarf von Schulkindern wieder anerkannt wird.

Unsere Forderungen:
Die Kürzung der Regelsätze der Kinder von 7 bis 17 muss zurückgenommen werden!
Und zwar sofort!

· Regelsatz für Schulkinder von 7 bis 13 Jahren 253 € statt 211 €!
Sie müssen wieder einen Regelsatz bekommen, der 20% höher ist als der von
Säuglingen.

· Regelsatz von 14 bis 17-jährigen 316 € statt 281 €!
Sie müssen wieder 90% des Eckregelsatzes von 351 Euro bekommen statt 80%.

Schluss mit dem empörenden Zustand, Kinder für ihr Wachstum und ihren
Schulbesuch zu bestrafen!

Wir möchten Sie bitten, zu unserer Plattform Stellung zu nehmen und sie durch Ihre Unterschrift zu unterstützen.
Sie finden den Aufruf unter www.kinderarmut-durch-hartz4.de

Falls Sie sich für die Hintergründe der Aberkennung des Wachstumsbedarfs von Kindern ab dem Schulalter interessieren, empfehlen wir Ihnen, die Broschüre "Fördern durch Kürzen" zu bestellen. Näheres finden Sie ebenfalls auf unserer oben genannten Website.

Mit freundlichen Grüßen

Edgar Schu

Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben

busy