• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Home Info Kinderarmut2 News Aufstieg zur Bildung durch Essensentzug
Aufstieg zur Bildung durch Essensentzug PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 28. Oktober 2008 um 17:12 Uhr
Bildungsgipfel und Schulkinder aus Hartz-IV-Familien

"Unser gemeinsames Ziel ist, dass jeder ein Recht auf Einstieg und Aufstieg hat," erklärte die Bildungskanzlerin zum Bildungsgipfel.
Bund und Länder wollen z.B. die Zahl der Studienanfänger erhöhen, um den "Aufstieg durch Bildung" zu ermöglichen.
Aber die Parteien der Großen Koalition streben nicht an, dass die Studienanfänger aus Familien von Hartz-IV-BezieherInnen kommen. Sie erschweren Jugendlichen aus Armutsfamilien nämlich, dass sie überhaupt Abitur machen können.
* Mit Einführung von Hartz IV wurde Kindern im Alter von 14 bis 17 das Leistungsniveau von 90 auf 80% des Eckregelsatzes gesenkt, auf das Niveau eines erwachsenen Haushaltsangehörigen ab 18. Der Betrag für Nahrungsmittel und nicht-alkoholische Getränke wurde von 3,91€ pro Tag im Jahr 2004 auf 3,08€ im Jahr 2008 gekürzt. Wachstums- und Schulbedarf wurden gestrichen.
* Vom Schul"bedarfs"paket von 100€ pro Schuljahr, dass die Große Koalition ab der Einschulung 2009 zahlen will, sind SchülerInnen ab der elften Jahrgangsstufe ausgeschlossen. Abitur ist Privatsache.

Um Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern, möchten Bund und Länder auch die Quote der SchülerInnen ohne Schulabschluss halbieren. Aber sie halten energisch daran fest, Schulkindern im Alter von 7 bis 13, die aus Hartz IV-Familien stammen, weiterhin nicht mehr zu zahlen als Säuglingen. Dass Kinder mit dem Schulalter größer werden, an Gewicht zunehmen und mobiler sind, haben CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne mit Hartz IV zur Privatsache gemacht. Damit fördern sie Desinteresse an der Schule und Leistungsversagen. Um die Rücknahme der durch sie erfolgten Kürzung zu verhindern, heucheln Merkel und Co. die Sorge, dass den Kindern das Geld möglicherweise nicht zugute kommt, wenn man die Kürzung rückgängig macht. Aber es waren ausschließlich die Parteien des "Bildungsgipfels", die Merkel, Müntefering und Co., die ab 2005 armen Kindern von 7-17 Jahren Geld für notwendige Lebensbedürfnisse entzogen haben. Sie haben es über Steuererleichterungen Unternehmen, Banken und Wohlhabenden zur Verfügung gestellt, die es als Spielkapital auf den Finanzmärkten einsetzen konnten.
Immerhin haben CDU/CSU und SPD durch die Leistungskürzungen bei Hartz IV Kindern von 7 bis 17 pro Jahr 750 Mio. € entzogen, seit 2005 insgesamt 3 Milliarden Euro. Bis 2015, dem anvisierten Ziel für die Steigerung der Bildungsausgaben, werden es weitere 4,5 Mrd.€ sein, falls sich nichts ändert. Der versprochene Zuwachs der Bildungsausgaben wird teilweise mit Kürzungen bei Hartz IV-Kindern finanziert.
Immerhin wurde von den Ländern erstaunlicherweise einstimmig vorgeschlagen, Kindern aus Hartz IV-Familien in Ganztagsschulen mit Bundesmitteln ein kostenloses Mittagessen zu ermöglichen. Das jedoch scheiterte daran, dass der Bund keine finanziellen Zusagen dazu geben wollte. Merkel machte sich stattdessen in der Pressekonferenz Gedanken, ob die Eltern nicht den Kindern das Geld für das Mittagessen wegnehmen würden. Wie das möglich ist, wenn das Mittagessen kostenlos ist, also gar nicht von den Kindern bezahlt werden muss, bleibt rätselhaft. Der unglaubliche Zustand, dass in 11 von 16 Bundesländern Kinder aus Hartz IV-Familien ihren Tagessatz von 2,31€ voll für ein Mittagessen in Ganztagseinrichtungen ausgeben müssten, bleibt bestehen.
Auf dem Bildungsgipfel wurde auch die Frage der Regelsätze für Hartz IV-Schulkinder besprochen. Merkel eierte sich in der Pressekonferenz vom 22.10. Folgendes zusammen. "Dabei ist zum Beispiel die Frage, ob wir im Rahmen der regulären Erhebung schauen, ob die Kindersätze im Arbeitslosengeld II wirklich vernünftig beschrieben sind - Sie wissen, dass dabei 60 und 80 Prozent eines Erwachsenensatzes angesetzt werden - oder ob diese Kindersätze in Arbeitslosengeld II den wirklichen Lebensbedingungen von Kindern jetzt nicht voll entsprechen. Über die Frage, wie das jetzt herausgefunden wird und wie man dabei vorgeht, kann man sprechen."
Diejenigen, die "allen Menschen enen Aufstieg durch Bildung ermöglichen wollen", wissen nicht einmal, ob Kinder einen Wachstumsbedarf haben oder nicht. Sie müssen erst noch untersuchen, ob die Aberkennung "vernünftig" war und den Lebensbedingungen von Kindern "voll entspricht" oder nicht. Ausschließlicher Zweck der Untersuchung und der vorgetäuschten Unwissenheit ist es jedoch, die Anerkennung des Wachstumsbedarfs von Kindern und entsprechend höhere Zahlungen möglichst weit herauszuschieben.
Das Bündnis gegen Kinderarmut durch Hartz IV fordert die sofortige Rücknahme der Kürzungen der Regelsätze von Schulkindern im Hartz IV-Bezug. Diese Frage auszuklammern und von Bildung für alle zu phantasieren, ist pure Heuchelei.
Trackback(0)
Kommentare (1)Add Comment
...
geschrieben von k.Vollmann, Januar 08, 2010
in der Auflistung der Ungerechtigkeit gegenüber Kindern von Hartz-IV - Empfängern fühle ich mich beim lesen von Ihnen verstanden. mein Sohn ist gerade 18 geworden. Er ist mit 12 Jahren schon 1,80 groß gewesen und man hat mich mit ihm permanent in die Kinderkleiderkammer geschickt. Was ein jetzt 1.95 großer junger Mann an Verpflegung braucht, muss ich Ihnen nicht erzählen. er macht in diesem Jahr Abitur und benötigt das eine ums andere mal auch ein zusätzliches teures Buch. Ich bin Akademikerin und seit langem arbeitslos, habe mich aber mit Gelegenheitsjobs am Fließband und im Lager für den Bedarf meines Sohnes über Wasser halten können.Nun steigen auch noch die Wohnkosten und ich frage mich ernsthaft, ob ich meinem Sohn ein Studium ermöglichen kann, in dem er sich auf seine Lernaufgaben konzentrieren kann und nicht permanent nebenher jobben muss.Das was er in ferienarbeit verdient hat, hat man uns zu zwei drittel aufs ALG angerechnet und zurückgefordert. Ich will nun nicht weiter klagen, bitte sagen Sie mir wie und wobei ich sie in Ihrem Kampf unterstützen kann. Gruß K. Vollmann
report abuse
vote down
vote up
Stimmen: +0

Kommentar schreiben

busy