| Thomas Oppermann (SPD), 24. u. 25. Juni 08 |
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| Dienstag, den 01. Juli 2008 um 22:38 Uhr |
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Sie antworten nicht darauf, sondern auf eine Frage, die wir Ihnen gar nicht gestellt haben, nämlich darauf, welche Verdienste sich die SPD um die Bekämpfung der Kinderarmut erworben hat. Das bedeutet: ob wir etwas wissen wollen, interessiert Sie nicht, aber wir sollen uns für etwas interessieren, was wir ohnehin schon kennen. Wir verstehen Ihre Mail so, dass Sie die Aberkennung des Wachstumsbedarfs von Kindern ab dem Schulalter auf keinen Fall zu einem Thema machen wollen, auch nicht in Ihrer Antwort. Sehr geehrter Herr Schu, vielen Dank für Ihre E-Mail vom 31. Mai 2008, in der Sie sich zu den Regelsätzen für Kinder von ALG II-Empfängern äußern. Es ist richtig, dass mehr Kinderarmut sichtbar wurde, aber nach wie vor existiert eine erhebliche Dunkelziffer, wie Untersuchungen zeigen. Hartz IV hat aber nicht nur Kinderarmut deutlicher sichtbar gemacht, sondern sie auch durch die Gleichsetzung von 7-13-Jährigen mit Säuglingen und die von Heranwachsenden zwischen 14 und 17 mit Erwachsenen noch vergrößert. und wir müssen die Herausforderung annehmen, für alle Kinder in Deutschland gleiche Teilhabechancen zu eröffnen. Derzeit erhalten etwa 2,2 Millionen bis 2,3 Millionen Kinder (unter 18 Jahren) Leistungen aus dem SGB II. Wollten Sie mit der Kürzung des Leistungsniveaus von Kindern zwischen sieben und siebzehn Jahren deren Teilhabechancen steigern? Wie fördert die SPD Teilhabechancen, indem Kindern Mittel für Essen und Trinken entzogen werden? Können Sie uns das erklären?
Bekämpfung der Kinderarmut mit der Aberkennung ihres Wachstumsbedarfs? Was nehmen Sie denn da sehr ernst? Sie nehmen auf jeden Fall nicht ernst, dass Kinder ab sieben einen höheren Wachstumsbedarf haben. Seit Hartz IV wird das abgestritten. Wir aber sollen ernst nehmen, was die SPD über Kinderarmut sagt? Dabei gilt für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten immer der Grundsatz: Die Kinder von Spitzenverdiener/innen dürfen dem Staat nicht mehr wert sein als die Kinder von Bezieher/innen niedriger und mittlerer Einkommen. Wir haben mit unserer Politik dafür gesorgt, dass die Schere zwischen der Entlastung durch kindbezogene Steuerfreibeträge und der durch Kindergeld ein gutes Stück geschlossen wurde. Das war und bleibt richtig. Mit uns wird es ein erneutes Auseinanderklaffen der Schere nicht geben. Sie lenken ganz einfach ab vom Thema und setzen ein neues Thema, das für Hartz IV-Familien reichlich uninteressant ist, da das Kindergeld als Einkommen angerechnet wird. Der von uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten 2005 eingeführte Kinderzuschlag hat sich als wirkungsvolle finanzielle Hilfe zur Unterstützung von Familien erwiesen, die von Armut bedroht sind. Mit dem Kinderzuschuss und mit Änderungen beim Wohngeld können wir rund 150.000 Kinder aus der Abhängigkeit von ALG II heraus bekommen. Das ist ein wichtiger Schritt, um das Armutsrisiko zu senken. Sie sprachen von 2,2 bis 2,3 Millionen Kindern in Hartz IV-Armut. Was ist mit den übrigen 2,1 bis 2,2 Millionen, die nicht in den Genuss Ihrer Form der Armutsbekämpfung kommen? Das Lebensniveau der erwerbstätigen Familien, die dadurch aus Hartz IV herausfallen, ist außerdem nur unwesentlich höher als vorher. Das Leistungsniveau einer Familie mit z.B. zwei Kindern im Alter von zehn und vierzehn ist ja auch vorher durch die Kürzung der Regelsätze der Kinder erheblich gesenkt worden. Ein weiterer Schritt dazu ist der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Die SPD hat sich für den Ausbau der Kinderbetreuung eingesetzt. Wir haben den von uns geforderten Rechtsanspruch ab eins durchgesetzt und für eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Bundes an der Kinderbetreuung gesorgt. Wir haben Sie nicht nach Kinderbetreuungsplätzen gefragt, sondern danach, warum Sie Kindern ab dem Schulalter den Wachstumsbedarf aberkennen. Schließlich treten wir dafür ein, dass bedürftige Kinder ein Schulmittelbedarfspaket (Schulranzen, Schreibmaterialien) in Höhe von ca. 100 Euro pro Schuljahr erhalten. Das ist längst überfällig. Das Hauptproblem ist aber, dass Ihre Partei zusammen mit der CDU vorher Schulkindern zwischen 7 und 13 Jahren pro Jahr 288 € entzogen hat, durch Senkung des Regelsatzes und Senkung des Niveaus der früheren einmaligen Beihilfen. Bei Kindern zwischen 14 und 17 Jahren waren es sogar 492€. Sie wollen nur einen Teil vom dem zurückgeben, was Sie vorher genommen haben. Und auf die Idee etwas zuzugestehen, ist Ihre Partei seit kurzem auch nur gekommen, weil es heftigen Widerstand gegen die Streichung sämtlicher Kosten für Schulmaterialien gibt. Wir wollen außerdem eine „Nationale Kinderkonferenz“ der Bundesregierung noch in diesem Jahr, auf der alle wichtigen Akteure (von der Politik bis zu den Wohlfahrtsverbänden) wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut vereinbaren. Wir brauchen keine Konferenz, um einen mit steigendem Lebensalter wachsenden Bedarf von Kindern festzustellen. Wir brauchen die sofortige Wieder-Anerkennung des Wachstumsbedarfs von Schulkindern.
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